Yucatan

Tikal

Im Herzen des Dschungels im Norden Guatemalas und umgeben von üppiger Vegetation liegt eine der eindrucksvollsten Stätten des Mayavolkes, die vom 6. Jh. v. Chr. bis in das 10. Jh. n. Chr. bewohnt war. Das sakrale Zentrum der historischen Mayastadt Tikal enthält prächtige Tempel und Paläste sowie öffentliche Plätze, die mittels Rampen zugänglich gemacht wurden. In der umgebenden Landschaft sind zahlreiche Überreste von Wohnbauten gefunden worden.

Gemeinsam mit dem Sierra de las Minas Biosphärenreservat ist die Maya-Stätte wegen ihrer archäologischen und ökologischen Bedeutung die wichtigste Naturreserve des Landes Guatemala. Das Gebiet ist mit einer breiten Vielfalt an unberührten, natürlichen Lebensräumen die größte Fläche an tropischem Regenwald in Guatemala und ganz Mittelamerika. Die Flüsse, Seen, Sümpfe und Savannen sind extrem wichtig für die Artenvielfalt, insbesondere für die der Zugvögel. Ein großer Bereich des Reservats ist noch mit dichten Laubwäldern bewachsen, darunter mehr als 300 Arten, die kommerziell zu Holz verarbeitet werden (Mahagoni, Zeder, Ramon = Brotnussbaum, Araceae = Korbweiden für Möbel, Chicle, Pfeffer u. a.). Unter den Tierarten sind Raritäten wie Ameisenbären, Brüllaffen, Klammeraffen, Tapire, Faultiere, Gürteltiere, Waschbären, Nasenbären, Pumas, Ozelote, Jaguar, Pekaris, Hirsche, giftige und ungiftige Schlangen, Krokodile, Schildkröten und über 333 seltene Vogelarten.

Ausgangspunkt für viele Besucher Tikals ist die Stadt Flores, die ca. 60 km entfernt liegt. Am besten man startet in den Morgenstunden, denn dann sind die Tiere am aktivsten und weniger Besuchergruppen vor Ort. Zunächst gelangt man an einen Platz mit Restaurants, Hotels, Museen und einem Campingplatz. Indianische Frauen in Maya-Trachten verkaufen Souvenirs. Zur archäologischen Stätte sind es von hier aus noch 20 Minuten zu Fuß. Tikal liegt auf einem Hügel, den die ersten Ansiedler wahrscheinlich wegen seiner isolierten, sicheren Lage zusammen mit den umliegenden Sümpfen gewählt haben. Ein weiterer Grund könnte das hohe Vorkommnis an Feuerstein sein, den die Maya benötigten um Pfeilspitzen und Messer herzustellen.

Die Ruinen von Tikal spiegeln die kulturelle Entwicklung der Maya-Gesellschaft von Jägern und Sammlern zur Landwirtschaft wider. Darin zeigt sich auch ihre aufwendig religiöse, künstlerische und wissenschaftliche Kultur. Zur Blütezeit von 700 – 800 n. Chr. lebten in Tikal 90.000 Maya-Indianer, von 600 – 900 n. Chr. entstanden über 3.000 verschiedene Gebäude, darunter Tempel, Wohnhäuser, religiöse Monumente mit Hieroglyphen-Inschriften und luxuriöse Gräber. Ausgrabungen brachten Überreste von Baumwolle, Tabak, Bohnen, Kürbissen, Paprika und vieler verschiedener Früchte aus präkolumbischer Zeit zutage. Die zahlreichen datierten Inschriften-Stelen ermöglichten eine Rekonstruktion der Herrscherabfolge, aus der hervorgeht, dass über einen Zeitraum von 800 Jahren mindestens 33 Herrscherdynastien existierten. Die älteste aufgestellte Stele stammt aus dem Jahr 292 v. Chr.

Den Kern der Maya-Stadt bildet der große mit kosmischer Bedeutung gefüllte Platz, auf dem der 45 m hohe Tempel des Großen Jaguar mit genau 100 Stufen und der Tempel der Masken, sowie der prächtige Baukomplex der Akropolis mit aufwendigen Stufenpyramiden stehen. Einer von insgesamt zwei Ballspielplätzen befindet sich ebenfalls am Großen Platz. Der Tempel der Zweiköpfigen Schlange ist mit 65 m der höchste von Tikal. Wenn man hinaufklettert bekommt man eine wunderbare Sicht auf die tropische Landschaft und die meist aus den Nebelschwaden herausragenden Tempelspitzen. Tikal war einst eine sehr einflussreiche Stadt; Bereits im 5. Jh. vergrößerte eine Herrscherdynastie die Macht der Stadt, indem sie nach und nach die Kleinstaaten in der Nachbarschaft unterwarfen und zu Abgaben zwangen. Einen zweiten Höhepunkt im frühen 9. Jh. erlebte Tikal als es Calakmul, eine lange rivalisierende Stadt, endgültig unterwarf. Ab dieser Zeit schwand allerdings auch die Bautätigkeit, es wurden keine Herrscherstelen mehr aufgestellt und spätestens im 10. Jh. war die Stadt völlig verlassen.