Yucatan

Palenque

File 278Die großartige Maya-Stätte Palenque inmitten des Tieflanddschungels im Bundesstaat Chiapas ist mit ihrer herausragenden Ansammlung an Kunstfertigkeit und Eleganz in Architektur, Skulptur und Wandmalerei ein Paradebeispiel für die klassische Epoche der Maya-Kultur. Seit 1987 zählen die Ruinen von Palenque zum UNESCO-Weltkulturerbe. Bisher wurden erst ca. 5% der Bauschätze ausgegraben, der Rest versteckt sich noch unter dichter Dschungeldecke. Sehr deutlich zeigt sich der fortschrittliche Geist der Maya-Kultur darin, dass sich die Bauten an ihre landschaftliche Umgebung anpassen. Palenque liegt auf einer Terrasse an den Hügeln des Chiapas-Gebirges. Die Bauten wurden mithilfe künstlich angelegter Terrassierungen in die Erhebungen des grünen Hochlandes integriert. Zahlreiche kleine Bäche fliessen durch das archäologische Gebiet.

Palenque ist wesentlich kleiner als die Maya-Zentren Tikal oder Copán, doch gerade das macht es so attraktiv. Denn auf überschaubarer Fläche reihen sich imposante Kunstschätze aller Kunstgattungen der Maya in höchster Dichte aneinander und das Areal ist nicht so überfüllt mit Touristen wie die Hauptzentren der Maya auf Yucatán. Etwas weniger leicht ist die Anreise, der nächste Flughafen Villa Hermosa ist 2 Autostunden entfernt. Von allen größeren Städten in der Umgebung werden Busfahrten nach Palenque angeboten, die zwischen 3 und 6 Stunden dauern. Ab Cancún oder Mexiko City dauert die Fahrt weit über 10 Stunden. Im ca. 6 km entfernten modernen Palenque gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten. Auch gelangen Sie erst von hier aus in den archäologischen Park, die im 15 Minuten-Takt fahrenden Minibusse bringen Sie dorthin.

Palenque, wie die Spanier es nannten, wurde zwischen dem 3. und 5. Jh. n. Chr. gegründet. Die wichtigsten Denkmäler wurden zwischen 500 und 700 n. Chr. gebaut als die Stadt ihre Blütezeit erlebte. Gegen Ende des 10. Jh. drangen Küstenvölker vom Golf von Mexiko in die Stadt und verursachten deren Zerstörung und anschließenden Verfall. Im Herzen des tropischen Dschungels stellen die Ruinen von Palenque nur den zentralen Bereich einer viel größeren Stadt dar, deren Gesamtfläche ca. 8 km² umfasste. Der Grundriss ist unglaublich und die künstlich angelegten Terrassen verändern die natürliche Topografie des hügeligen Geländes und dominieren sie. Der Otulum, ein Nebenfluss des Usumacinta, wurde in ein 50 m langes, ausgeklügeltes Kanalsystem, das mit Gewölben überdacht ist, umgeleitet und fließt so durch die ganze Stadt. In der Maya-Sprache bedeutet Otulum „befestigtes Häuschen“.

Das wohl bekannteste Monument Palenques ist der „Tempel der Inschriften“, eine Stufenpyramide von etwa 20 m Höhe mit einem kleinen bekrönenden Tempel. Er stellt ein monumentales Grabmal dar. Im Inneren wurde die Grabkammer des Pakal, dem Vater von K´inich Kan Balam II., der Ende des 7. Jh. die Herrschaft über Palenque hatte, entdeckt. Hieroglyphen am Sarkophag halfen bei der Identifizierug. Der Gang und die Grabkammer selbst sind heute zugänglich. Ein Modell des Grabes sowie die Kultgegenstände, die dort gefunden wurden, sind im Nationalmuseum für Anthropologie in Mexiko City ausgestellt.

Den größten architektonischen Komplex nimmt der gegenüber des Grabmals liegende Palast ein. Seine Gebäudeteile sind auf künstlichen Plattformen errichtet, er verfügt über zahlreiche Türen und Innenhöfe, die als Lichtquellen für die umliegenden Räume dienten. Im Inneren des Komplexes ragt ein vierstöckiger Turm empor, der wahrscheinlich als Observatorium oder Wachturm genutzt wurde.

Die sogenannte Kreuzgruppe in der Nähe ist ein Platz, der von drei Tempeln eingerahmt wird. Unter ihnen beherbergt der Kreuztempel ein Relief mit einem kreuzförmigen Weltenbaum, nach welchem schließlich das ganze Ensemble benannt wurde. Die Tempel sind in ihrer Architektur gleich: Alle stehen auf einem Stufenpodest, haben im Inneren einen überwölbten, heiligen Raum an dessen Stirnseite jeweils ein dreiteiliges Relief mit Texten und wichtigen Kalenderdaten in Hieroglyphen angebracht ist. Ausserdem werden sie alle von einem Steildach mit Kamm bekränzt. In der Forschung geht man davon aus, dass hier die drei Lokalgottheiten verehrt wurden, auf die die Herrscher von Palenque ihre Abstammung zurückführten. Zahlreiche weitere Bauten auf erhöhenden Plattformen und manchmal versteckt durch die dichte Vegetation sind im archäologischen Park von Palenque zu entdecken. Nahezu alle sind mit Stuckbemalungen nicht nur im Inneren sondern auch an den Aussenwänden geschmückt.