Yucatan

Muyil

File 275Die präkolumbische Maya-Stätte Muyil liegt im Osten der Yucatán-Halbinsel an der karibischen Küste inmitten des Nationalparks Sian Ka´an. Das Biosphärenreservat ist seit 1987 UNESCO-Weltnaturerbe und in ihm wurden bisher 22 weitere kleine Maya-Bezirke entdeckt. Darunter ist Muyil die bedeutendste Stätte, im Vergleich zu den Maya-Stätten von Tulum und Cobá aber eher klein und selten besucht. In der Nähe der heutigen Siedlung Chunyaxché (= Getränk des Ceibabaumes) gelegen, ist Muyil sehr gut über die Verbindungsstrasse 307, die die Touristenzentren Cancún/Playa del Carmen im Norden mit der Landeshauptstadt Chetumal verbinden, zu erreichen.

Architektonisch ist der Maya-Bezirk von Muyil (= Kaninchenplatz) in zwei Bereiche (Muyil A und B) aufgeteilt, von dem einer, Muyil A, über 38 Hektar Dschungel der Öffentlichkeit zugänglich ist, aber auch die größten und interessantesten Bauwerke enthält. Muyil B befindet sich weitere zwei Kilometer nördlich und weist kleinere archäologische Strukturen auf, die auf heilige und profane Bauten, Wälle und Plattformen schließen lassen. Die meisten Ruinen von Muyil stammen aus der Zeit vom 10. bis zum 15. Jahrhundert, jedoch konnte man auch schon für die Zeit davor eine steigende Entwicklung der Bebauung und damit der Bevölkerung feststellen. So stammt der Kern der Hauptpyramide „El Castillo“ aus der klassischen Zeit, während der Tempel auf der Pyramide und die anderen Bauten später dazu kamen sind. Unterhalb des Tempels konnten zwei heilige Altarräume entdeckt werden, in denen Kultobjekte aus farbigem Stein und Muschelschalen gefunden wurden. Die Pyramide ist ca. 18m hoch, ungefähr bis zur Hälfte kann man auf Treppenstufen daran hochklettern. Der obere Teil ist aus Sicherheitsgründen nicht begehbar. An der Rückseite der Pyramide ist es möglich, in einen weiteren Altarraum zu blicken, der mit Reliefdarstellungen geschmückt ist. Dieser Bereich war von den Spaniern überbaut und erst durch die Archäologen wieder freigelegt worden.

Wenn Sie weiter nördlich durch den dichten Dschungel gehen, treffen Sie auf den sogenannten Tempel 8, ein sehr interessantes Bauwerk, das zu den jüngsten in Muyil gehört. Er verfügt über einige überwölbte Innenräume, an deren Wänden noch Überreste der Bemalung zu sehen sind. Wie in vielen anderen Maya-Stätten gibt es auch in Muyil Überreste einer Mauer, die bezeugt, dass die Maya den sakralen Bereich vom profanen, den Wohngebieten, architektonisch abgrenzten.

Direkt an der Muyil-Lagune gelegen, nach welcher die Stätte benannt ist, war Muyil eine wichtige Station der historischen Handelsroute an der karibischen Küste. Bewohnt war es bis zur spanischen Eroberung und hat bis in das 20. Jahrhundert als Dorf überlebt. Während des Unabhängigkeitskrieg der Maya-Bevölkerung auf der Halbinsel Yucatan wurde das Dorf von einigen seiner Bewohner verlassen, 35 km weiter gründete die Bevölkerung eine neue Siedlung mit dem Namen San Antonio Muyil.

Ein Besuch in Muyil bietet sich hervorragend an um in Ruhe und ohne viel Menschen die Ruinen der Maya zu erkunden. Nicht selten werden sie hier allein sein, der Eintritt ist billig, für einen Rundgang sollten Sie etwa eine Stunde einplanen und sich ausreichend mit Sonnenschutz und Getränken versorgen, da es vor Ort keine Verkaufsstände gibt.