Yucatan

Copán

Im Tiefland der Halbinsel Yucatán und im heutigen Staat Honduras erstreckt sich die historische Stadt Copán, eine der bedeutendsten Maya-Stätten überhaupt. Seit 1980 zählt Copán, das eine archäologische Fläche von drei Hektar einnimmt, zum UNESCO-Weltkulturerbe. Entdeckt wurde es bereits Mitte des 16. Jh. durch Diego García de Palacio, systematisch ausgegraben und dokumentiert aber erst im 19. Jh. durch John Lloyd Stephens. Mit ihren Gebäudekomplexen und imposanten öffentlichen Plätzen repräsentiert die Stätte die klassische Periode der Maya-Kultur, die von 250 bis 900 n. Chr. ging und im 8. Jh. ihre Blütezeit erlebte. Zu Hochzeiten lebten in Copán etwa 20000 Menschen. Wichtige kulturelle Entwicklungen erfolgten gemeinsam mit bedeutenden Leistungen in der Architektur, Mathematik, Astronomie und Hieroglyphenschrift. Wie die meisten anderen Städte der Maya verfiel sie im Laufe der Geschichte. Der Grund dafür ist bis heute unter Forschern nicht genau geklärt. Naturkatastrophen und Klimaveränderungen können genauso eine Rolle gespielt haben wie ein zu schnelles Wachstum der Bevölkerung, wodurch die Böden zu stark ausgebeutet wurden und bald nicht mehr genügend Nahrung bieten konnten. Das moderne Copán, ein Bergdorf, befindet sich in unmittelbarer Nähe und hat mehrere kleinere und grössere Hotels, die für jeden Geldbeutel geeignet sind.

Die Entdeckungstour der Mayastätte startet am grossen Hauptplatz von Copán, wo sich einige sehr gut erhaltene Stelen befinden. Die Reliefs und Hieroglyphen auf diesen Stelen berichten von der Geschichte des Mayavolkes. Im südlichen Teil des Hauptplatzes erstreckt sich der historische Ballspielplatz, mit seinen zwei riesigen, trapezförmigen Felsen ist er als der zweitgrösste Ballspielplatz der Maya überhaupt bekannt. Parallel zueinander aufgestellt, begrenzen die Felsen eine große, rechteckige Spielfläche. Hier hielten die Maya-Krieger von Copán ihre Spiele ab, die mit heiliger Symbolik aber auch mit ziemlicher Gewalt von Statten gingen. Die umliegenden Gebäude bildeten dabei die Zuschauertribünen, von denen aus die Menschen die Spiele beobachten konnten. Gegenüber des Ballspielplatzes befindet sich Copáns berühmtestes Bauwerk – die Hieroglyphentreppe, die mit ihren 63 Stufen und 2200 Zeichen das grösste Schriftwerk der Maya-Kultur bildet. Sie schmückt die Seite eines 30m hohen Pyramidenbaus. Die in Stein gehauenen Hieroglyphen auf der Treppe listen alle Herrscher Copáns über 200 Jahre lang auf.

An den Hauptplatz schließt sich jeweils ein weiterer im Osten und Westen an. Der östliche Platz liegt erheblich höher als das Copán-Tal. Auf einer Treppe sind wunderschöne Jaguar-Skulpturen zu besichtigen, die über Original-Einlegearbeiten in schwarzem Obsidian an den Augen verfügen. Heute sind sich die Wissenschaftler darüber im Klaren, dass die Bauer und Handwerker von Copán einen hohen Perfektionismus anstrebten. Die Akropolis, einst ein architektonisch sehr prächtiger Baukomplex, bestand aus einer Aufeinanderfolge vieler Pyramiden, Terrassen und Tempeln. Der archäologische Schnitt durch die Akropolis ist als grösster weltweit bekannt. Beim Durchlaufen kann man in den Wänden des Schnittes die verschiedenen Ebenen der früheren Plätze und überdachte Wasserabläufe erkennen.

Während der Zeit als sich die Maya-Zivilisation in ganz Zentralamerika verbreitete, war Copán die grösste und einflussreichste Stadt im Südosten. Die Gegend um die historische Stätte bleibt leider gefährdet durch die anhaltende Erosion des Copán-Flusses und seismologische Aktivitäten. Mindestens zwei Erdbeben sind bekannt, durch die die Stätte bereits Schaden erlitt.

Copán hat zwei Museen, die sich mit der Maya-Stätte beschäftigen. Westlich des archäologischen Parks befindet sich das grössere und neuere Museum. Es beherbergt eine Vielzahl monumentaler Maya-Skulpturen im Original, aber auch Reproduktionen verfallener Originale. Besonders beeindruckend ist die Replik eines Tempels, der unter der Akropolis freigelegt wurde. Seine Original-Maße und die komplette Bemalung verleihen einen sehr interessanten Eindruck davon, wie imposant diese Stadt in ihrer Blütezeit einst aussah. Ein älteres Museum im Zentrum des modernen Copán geht vor allem auf die Geschichte der Maya-Kultur und der historischen Stadt Copán ein. Unter den Ausstellungsstücken ist der Schwerpunkt hier auf Steinskulpturen und Keramik gelegt.