Yucatan

Chichén-Itzá

File 242Etwa 90 km östlich von Mérida liegt das Gelände von Chichén Itzá, eine der größten und am besten erhaltenen Ruinenstätten Yucatáns. Sie ist gleichzeitig auch die meist besuchteste und eine hervorragend restaurierte archäologische Stätte. Von Cancún und Playa Del Carmen aus kann man die Ruinenstätte gut an einem Tag erkunden, viele Busse fahren von dort für einen Tagesausflug Chichén Itzá an. Über die Autopista fährt man von Cancún aus etwa 2 Stunden.
Chichén Itzá wurde im Jahr 1988 zum Weltkulturerbe erklärt und es gibt wohl auch kaum eine andere Maya-Stätte, die so gut restauriert wurde und von der es so viel für den Besucher zu sehen gibt. Das zieht allerdings auch eine Vielzahl Touristen an, so dass es ab 10 Uhr morgens schon sehr voll werden kann.
Zu den großen Sehenswürdigkeiten zählen neben vielen anderen vor allem die große Pyramide Kukulkan, das Observatorium, das Juego de Pelota, der Kriegertempel, das Convento de las Monjas und El Grupo de las Mil Columnas.

Pyramide von Kukulkán
Das wohl bekannteste Bauwerk Chichén Itzá's ist die 24 Meter hohe Pyramide von Kukulkán. Zwei der vier Seiten wurden restauriert (West- und Nordseite). Sie bildet eine Mischung aus Maya- und Toltekenkultur und stellt einen Jahreskalender mit vier Treppen mit je 91 Treppenstufen dar. 4 x 91 Stufen ergibt 364 Stufen, plus eine finale Stufe (Plattform) ergibt 365 Stufen. Dies entspricht der Anzahl an Tagen im Jahr. Das ist aber nicht der einzige Beweis dafür, dass dieses Gebäude astrologischen Zwecken gewidmet wurde:
Zweimal im Jahr, zur Sonnenwende am 21. März und am 21. September (Äquiniktium = Tag-und-Nacht-Gleiche) versammeln sich hier viele tausend Menschen, um einem Spektakel beizuwohnen: gegen späten Nachmittag erscheint der Schatten einer Schlange an der Pyramide von Kukulkán, die den Treppenaufgang herunterzukriechen scheint und ihren riesigen Kopf auf die unterste Stufe der Pyramide legt. Dieses Spektakel ist von den einstigen Baumeistern genau errechnet worden.


File 341Chaac Mol
Auf der rechten Seite der Nordtreppe kann man das Innere der Pyramide betreten und über eine schmale Treppe bis nach oben klettern. Vorsicht, die Treppen sind aufgrund fehlender Lüftung und wegen der vielen Touristen sehr glitschig, zudem ist die Luft sehr stickig. Oben angekommen erwartet den Besucher eine verschlossene Kammer, die jedoch beleuchtet ist und zwei Statuen birgt. Eine von ihnen symbolisiert den Gott Chaac-Mol in seiner typisch für diese Region halb liegenden Haltung mit einem Opferteller auf dem Bauch (ähnlich dem auf dem Kriegertempel).

 

Ballspielplatz
Insgesamt wurden in Chichén-Itzá neun Ballspielplätze gefunden. Von den wohl über 520 gefundenen Ballspielplätzen auf Yucatán stellt dieser Ballspielplatz (Juego de Pelota) den größten und bedeutendsten dar. Er befindet sich knapp 100 Meter nordwestlich der Pyramide von Kukulkán. Die Ausmaße des Spielfeldes betragen 168 x 38 Meter, abgegrenzt durch acht Meter hohe Mauern an den Seiten, die unter anderem für das Publikum gedacht waren.
An jeder Seite befindet sich auf der Höhe von etwa sieben Metern je ein schlangenverzierter Ring, durch den der Ball geschlagen werden musste. Dieser bestand aus Kautschuk und wog soviel, wie heute unsere Medizinbälle. Man rätselt noch darüber, ob sich im Inneren des Balles ein Totenschädel befand.
Die Motive der beiden Ringe (Querkorb) lassen Rückschlüsse auf das Spiel (Pelota) zu und es gilt als wahrscheinlich, dass der Kapitän der Verlierermannschaft geopfert wurde (der Kapitän der Siegermannschaft hält ein Messer in der einen, den blutenden Kopf des Opfers in der anderen Hand). Jede Mannschaft hatte zwischen fünf und sieben Spielern, bisweilen auch ungleich aufgeteilt. Zudem besaßen die Spieler Protektoren an Armen und Beinen, denn der Ball durfte nur mit diesen gespielt werden und den Boden nicht berühren.
Besondere Aufmerksamkeit jedoch sollte der Akustik des Ballspielplatzes gewidmet werden. Heute ist sie  nicht mehr ganz in vollen Zügen zu genießen, da die interessanten Stellen abgesperrt sind. Stellt man sich jeweils in die mittigen Kopfgebäude, so kann man sich in Ruhe unterhalten, obwohl der andere fast 200 Meter weit entfernt ist (andere bekommen diese Unterhaltung kaum mit). Klatscht man irgendwo auf dem Platz in die Hände, so erhält man ein wahres Feuerwerk an Echo. Wenn man bedenkt, dass die Maya-Architekten dies nicht dem Zufall überlassen haben, so ist das eine beeindruckende Leistung.


Cenote
Etwa 400 Meter geradewegs im Norden der Pyramide von Kukulkán liegt der beeindruckende Cenote Sagrado (heiliger Brunnen). Von ihm hat Chichén-Itzá auch seinen Namen (Brunnen der Itzá). Der Cenote war ursprünglich überdacht, das Dach ist jedoch nach geraumer Zeit eingestürzt. Er misst heute etwa 55 Meter im Durchmesser und etwa 50 Meter in der Tiefe (bis zur Wasseroberfläche sind es nur etwa 20 Meter). Die grüne Färbung des Wassers entsteht aufgrund der vielen Algen.
Man weiß heute, dass in diesem Cenote viele Opferungen gemacht wurden. Der Archäöloge Edward H. Thompson ließ als erster den Cenote untersuchen und fand viele Opfergaben, darunter Gold, Jade und verschiedene Keramiken. Auch bis zu 50 Sklette fand man darin. Thomson, der gleichzeitig Konsul war, brachte die Dinge außer Landes, weshalb er schließlich des Landes verwiesen wurde. Um 1960 wurden die bedeutendsten Untersuchungen am Cenote vorgenommen, die viele tausend Fundstücke zutage brachten. Die Bedeutung dieses Brunnen übertrifft die jedes anderen auf Yucatán.

 

Skulptierte Säulen
Ostseite, Gebäude 3D7: Diese Fassaden waren ursprünglich Teil des davorstehenden Gebäudekomplexes. Sie wurden hier gefunden und in Teilen wieder hergestellt, um eine Vorstellung des ehemaligen Ausmaßes der Dekoration zu vermitteln.

 

File 335Kriegertempel
Der Kriegertempel (Templo de los Guerreros) steht nordöstlich der Pyramide von Kukulkán, am nördlichen Ende der Gruppe der 1.000 Säulen. Es ist eines der schönsten Beispiele für die Maya-Toltekische Architektur. Er wurde dem Morgensterntempel von Tulá nachempfunden, wobei er weitaus imposanter und stilvoller gestaltet wurde als der in Tulá. Über eine Treppe gelangt man (leider für Touristen gesperrt) auf die obere Plattform, auf der Gott Chaac-Mol in halb liegender Haltung zu sehen ist. Allerdings wurde dieser Name der Figur vom französischen Archäologen Le Plongeon irrtümlich verliehen, denn es handelt sich hierbei nicht um den Regengott Chaac. Die unteren Wände der Pyramide sowie einige Säulen werden von Maskenreliefs geschmückt, die Krieger und Adler darstellen, wie sie Menschenherzen fressen. Der Eingang des Tempels befindet sich auf der oberen Plattform und wird durch zwei Schlangenpfeiler markiert. Sie entstammen dem toltekischen Stil. Die Rüsselnasen des Regengottes Chaac hingegen, wie sie an den Tempelwänden sind, entstammen dem Maya-Einfluss. Die Nordseite des Kriegertempels hat eine Treppe, die ins Innere des Tempels führt. Sie ist jedoch versperrt und so lassen sich auch nicht die inzwischen kaum noch erkennbaren Wandmalereien erkennen.

 

File 332Gruppe der 1.000 Säulen

 

Dampfbad
Dieses zwischen 900-1.200 n. Chr. entstandene Gebäude ist eines der wenigen in Chichén-Itzá, über dessen ursprüngliche Bedeutung kein Zweifel besteht. Von den drei Bereichen können die folgenden zwei beschrieben werden: beim ersten handelt es sich um eine Art von Warteraum, beim zweiten handelt es sich um den eigentlichen Dampfraum. Hier wurden die heißen Steine mit Wasser begossen, um so den Dampf zu erzeugen. Die Bäder wurden zum Reinigen bei religiösen Anlässen, aber auch zu Gesundheitszwecken genutzt, eine der ältesten Traditionen der Menschen in Lateinamerika.

 

Nordöstliche Kolonade
Dieses Gebäude war ursprünglich Teil der gesamten Kolonade. Auffällig sind die Säulen, die die Dächer trugen sowie ein Altar, der mit ritualen Szenen geschmückt ist. Die Platten über und vor dem Altar zeigen reich geschmückte Personen. Eine Steinbank umrundet das Gebäude von innen. Seitlich des nördlichen Endes befindet sich ein Boden, der wahrscheinlich einmal als Wasserdepot gedient hat, als eine Art Kanal zum Platz der Tausend Säulen. Seine Fassade war ursprünglich mit Masken, Schlangen und mystischen Figuren dekoriert.


Der Markt
Dieses ist eines der besten Beispiele für Hofgallerien in Chichén-Itzá, in den Jahren zwischen 900-1.200 n. Chr. entstanden. Hier haben die Architekten im Maya-Toltekischen Stil beträchtliche Fortschritte gemacht, indem sie weitere Zwischenstände und höhere Säulen gebaut haben als sonst üblich. Obwohl die ursprüngliche Bedeutung des Komplexes nicht mit völliger Sicherheit bestimmt werden kann, ist doch sicher, dass es direkt mit dem Vorplatz verbunden war, mit dem es über eine weite Treppe verbunden ist. Es besitzt eine breite Frontgallerie mit insgesamt drei Treppenzugängen zum Platz sowie einen Zugang zum Inneren des Hofes. In der Nähe dieses Zugangs befindet sich ein Altar mit Personifizierungen. Um den Hof herum sind sehr hohe Säulen gebaut, die ursprünglich die Decke stützten, die jedoch im Laufe der Zeit zusammenbrach und verfiel.

 

Tempel der großen Tafeln

Venus Plattform
Die Venus Plattform ist der recht ähnlich, die auf dem Platz der Pyramide von Kukulkán steht. Auf allen vier Seiten führt eine Treppe hinauf zur Palttform, wobei rechts und links zur Treppe jeweils ein Schlangenkopf nach vorne steht. Er repräsentiert Quetzalcoatl - Kukulkán als Morgenstern. Die Plattforrm war ursprünglich farbig angestrichen und zwar in grün, rot, ocker, blau und schwarz.

 

Jaguartempel
Der Jaguartempel steht auf der rechten Seite vor dem Einlass zum Ballspielplatz. Heute ist die Treppe leider gesperrt, die links herum hinauf zum Tempel führt. Am Fuße - auf der Seite des Platzes mit der Pyramide von Kukulkán - befindet sich der untere Teil des Jaguartempels. Er zeigt besonders schöne und gut erhaltene Wandreliefs mit Hieroglyphen im Inneren des Vorbaus sowie an den Säulen.

 

Grab des hohen Priesters
Ähnlich der Pyramide von Kukulkán ist auch dieses Gebäude pyramidenförmig gebaut, an allen vier Seiten mit mittigen Treppen, wobei rechts und links jeweils Schlangen die Treppen säumen.

 

Observatorium
Dieses Gebäude (El Caracol) ist auch als Observatorium bekannt und zwar wegen seiner Form und wegen einiger möglichen astralen Assoziationen. Astronomische Gegebenheiten in Bezug auf den Planet Venus sowie in Bezug auf den Sonnenuntergang während der Tag-und-Nacht-Gleiche (Äquinoktium) haben eine eindeutige Verbindung zu den drei Fenstern im oberen Bereich des Observatoriums. Die Maya waren so genau in der Sternenbeobachtung, dass sie zum Beispiel über 59 Jahre hinweg die Große Konjunktion auf den Tag genau vorhersagen konnten. Der Name Caracol (Schnecke) rührt von der spiralförmigen Treppe, die zum oberen Bereich des Gebäudes führt.
Erforscht wurde das Observatorium durch das Carnegie Institute zwischen 1925-31, wobei man eine Serie von sechs übereinandergebauten Konstruktionen fand. Man geht davon aus, dass die Bauphase aus der Zeit zwischen dem Ende der Klassik und dem Anfang der Postklassik (850-1.000 n.Chr.) stammt.

 

Gräber-Plattform
Die Plattform wurde möglicherweise für Beerdigungen genutzt, was ihr den Namen gab. Der Archäologe Edward H. Thompson, der hier im Jahre 1899 die Ausgrabungen leitete, fand in jedem der zwei Grabkammern Sklette. Neuere Studien gehen jedoch davon aus, dass die Sklette zu späteren Zeitpunkten hier hineingelangten, das Gebäude also ursprünglich einen anderen Zweck hatte. Auffällig in der Architekur sind die Säulen, die aus der Plattform herausragen und vermutlich ein über die Jahrhunderte nicht haltbares Dach hielten.

 

Das Rote Haus
Der Name dieses Gebäudes (es wird auch Chichanchoob genannt) stammt von den rot bemalten Fragmenten, die man in dessen Inneren fand. Es steht auf einer ungewöhnlich hohen Plattform, besteht aus einem Vorraum und drei weiteren Kammern. In der Hauptkammer befinden sich skulptierte Hieroglyphen.
Die Fassade ist glatt und die zwei Dachkämme legen den Puuc-Stil nahe, man kann das Gebäude auf die späte klassische Periode datieren. Aufgrund des nahegelegenen Ballspielplatzes kann vermutet werden, dass das Gebäude entweder einen religiösen und öffentlichen Zweck hatte.