Yucatan

Calakmul

File 236Calakmul, im Südosten des Bundesstaates Campeche inmitten des Urwalds gelegen, ist etwas schwerer zu erreichen, weil es einen ganzen Tag benötigt, um z.B. von Cancún oder Mérida aus hierher zu gelangen. Wer aber den Weg nach Chetumal nicht gescheut hat, um vielleicht Maya-Stätten wie Rio-Bec oder Xpujil zu besuchen, für den ist der Weg nach Calakmul ebenfalls sehr lohnenswert.
In Calakmul befindet man sich bereits im sogenannten Petén, also dem eigentlichen Ursprungsland der Maya. Über die Carretera Federal 153, die von Chetumal nach Francisco Escárcega führt (Vorsicht, hier kontrolliert die Polizei gerne Temposünder), muss man bei Xpujil südlich abfahren und erreicht nach etwa 50 km die Maya-Stätte Calakmul. Sie liegt inmitten eines der beiden großen Naturreservate Yucatáns, dem Calakmul Biosphere Reserve (das andere Reservat heißt Sia'n Kaan).
Im Jahre 1931 durch den Amerikaner Cyrus Lundell entdeckt, stellt Calakmul auf über 100 km² fast 6.500 Strukturen, von denen man ausgeht, dass sie über eine Periode von über 1.000 Jahren erbaut wurden. Die meisten der Gebäude kann man der Früh- bzw. der Spätklassik zuordnen, nur wenige von ihnen sind - auch nur teilweise - restauriert worden. Solange es noch gestattet ist die Pyramiden zu besteigen, sollte man das tun, um von hier aus den herrlichen Rundblick über das mitten im Urwald gelegene Areal zu genießen.
Quasi durchgängige historische Charakteristik von Calakmul waren die stetigen Auseinandersetzungen mit dem knapp 90km entfernten Tikal (heutiges Guatemala). Führend in seiner Rolle war Calakmul in den Jahren zwischen 250 und 690 n.Chr., bekannt als Königreich des Schlangenkopfes. König Garra de Jaguar verlor schließlich nach langen auch inneren Zwiespalten den Krieg gegen Tikal und der Abstieg Calakmuls war beschlossen.
Zwei weitere Dinge zeichnen Calakmul ganz besonders aus: zum einen die sieben in Stein gemeißelten Häftlinge, die sich in stolzer Haltung dem Besucher zeigen und die schier einmalige Anzahl an Stelen, die sich so in wohl keiner anderen Maya-Stätte wiederfinden lassen. Die Angaben über die Anzahl der leider oft schon stark erodierten Stelen schwanken zwischen 100 und 120.
Gebäude II: das Gebäude II ist das zweitgrößte, pyramidenförmige Gebäude von Calakmul. Am Sockel misst es etwa 140 x 140 Meter und mit seinen knapp 55 Metern Höhe ist die Besteigung sehr empfehlenswert, da man einen fantastischen Rundblick genießt. Die Pyramide wurde mehrfach überbaut und während die erste Bauzeit von der späten Frühklassik zeugt, stammen die letzten Baumaßnahmen aus der späten klassischen Periode. Der kleine Palast auf der Spitze der Pyramide wurde während der klassischen Periode erbaut. Er enthielt neun Räume, ein Dampfbad, einen Altar und Grabmäler. Die späten klassischen Grabmäler wurden am Ende der klassischen Periode geleert, als hier ein anderes Individuum mit verschiedenen Gaben begraben wurde, die man später auch hier fand.
Gebäude III: Dieses Gebäude außerhalb des Zentralplatzes liegt südöstlich von diesem. Es wurde erst in den späten 1980ern durch die Archäologen Armijo Torres und Alvarez Aguilar ausgegraben. Dieser Palast bot mit 12 Räumen Platz für etwa 25 Menschen. Aufgrund einiger Funde geht man heute davon aus, dass der Palast dazu genutzt wurde, um Essen vorzubereiten. Die in Gebäude III gefundene Grabkammer wird auf das 5. Jht. nach Christus zurück datiert. Sie war durch einen kleinen Gang mit dem darüber gelegenen Palast verbunden. Man fand in der Grabkammmer eine etwa 30-jährigen Maya-Leichnam, der auf einer geflechteten Matte mit fünf keramischen Gefäßen lag. Er trug eine Jademaske aus Mosaik auf seinem Gesicht, eine heute weltbekannte Maske, die auf vielen Ausstellungen gezeigt wird. Eine weitere Maske wurde auf seiner Brust und seiner Hüfte gefunden. Man fand ferner unter den Schmuckstücken drei Ohrringe aus Jade, 32 Jadeperlen, 8.252 Muschenperlen, den Stachel eines Stachelrochens und verschiedene keramische Stücke. Es war einer der bedeutendsten Funde der Maya-Zeit.
Gebäude IV: Ebenso aus der späten Präklassik stammend, liegt dieses Gebäude zur Westseite des Zentralplatzes. Es wurde später zusammen mit Gebäude VI erneuert und formt nun das, was die Maya Gruppe E nannten. Wer auf der Treppe des Gebäude IV in Richtung Osten steht, der wird zur Sommersonnenwende (21. Juni) den Sonnenaufgang über Gebäude IV-A sehen, zur Wintersonnenwende (21. Dez.) hinter Gebäude IV-C und zu den Äquinoktiae (21. März / 23. Sept.) hinter Gebäude IV-B.
Immense Funde hat man in der Nähe des Gebäudes Nr. 7 gemacht. Hier wurden in einer Gruft mehrere Tausend Schmuckstücke aus Jade und anderen Materialien gefunden. Viele der Fundstücke befinden sich heute im Archäologischen Museum von Campeche.