Yucatan

Anekdoten

Ein Mexikobesuch ohne Geschichten und Anekdoten - das ist kein Mexikobesuch. Wer sich mit Einheimischen unterhält, der wird hunderte von Geschichtchen und Erlebnissen erzählt bekommen, einige wird man auch vielleicht selbst erleben. Ein anderes Rechtssystem, ländlicher Aberglaube und Dinge, die immer schon galten, tragen dazu bei.
Wer in Mexiko Außergewöhnliches erlebt hat, der kann uns schreiben. Mit etwas Glück veröffentlichen wir es hier.

Die hier aufgeführten Erzählungen und Geschichten sind Anekdoten und auch als solche zu verstehen.

Sprengstoff aus Mérida
In Mérida existierte - und existiert wohl noch immer - eine Sprengstoff-Fabrik, die allwöchentlich einen vollbeadenen LKW - nach Cancún schickte. Am hinteren Ende des LKW's war das Warnschild "peligroso" (gefährlich) zu lesen, so dass der ganze Straßenverkehr gewarnt sein müsste.
Zur gleichen Zeit wurde die neue Autobahn zwischen Mérida und Cancún fertiggestellt, die allerdings nur wenig befahren war, denn sie war eine kostenpflichtige Autobahn. Und was Geldsparen betrifft, da stehen die Mexikaner an erster Stelle. So kam es vor, dass man kilometerweit keinen Wagen antraf. Für den LKW war es jedoch die sicherste Strecke und um die Maut-Gebühr wurde sich auch keine großen Sorgen gemacht, denn Zeit ist Geld und der LKW war ja so viel schneller in Cancún.
So fuhr die explosive Ladung also in Mérida los und befand sich schon nach kurzer Zeit auf der neuen Autobahn. Wie es der dumme Zufall nun wollte - Autos fahren ja nun nicht gerade schnell in Mexiko - fuhr tatsächlich ein Auto noch langsamer als der LKW und es musste überholt werden. Rückspiegel gibt es nicht oder werden nicht benutzt, jedenfalls setzte der LKW zum Überholen an und - soviel Zufall kann es eigentlich nicht geben - zur gleichen Zeit möchte ein Wagen von hinten den LKW überholen. Da der LKW-Fahrer nichts bemerkt hat und recht schnell ausscherte, wurde der überholende Wagen zwischen LKW und Leitplanke eingeklemmt und beide kommen nach kurzer Zeit zum Stehen. Der PKW fängt Feuer und die beiden LKW-Fahrer nehmen ihre Beine in die Hand und laufen, was das Zeug hält.
Im Auto etwas nervös werdend - die Türen sind ja eingekeilt - schlagen die Insassen die Scheiben ein und rennen ebenfalls los, denn das Verhalten der LKW Fahrer ließ nicht gerade Ruhe aufkommen. Etwa 150 Meter gelaufen, explodiert die ganze LKW Ladung und wirft auch die Flüchtenden zu Boden.
Noch 3 Jahre später zwang ein großer Krater in der Autobahn die Autos dazu, die Straße zu verlassen um einige Kilometer später wieder draufzufahren. Das Geld für die Reparatur war wohl nicht parat. Heute fährt die gleiche Sprengstofffirma wöchentlich einen LKW nach Cancún - mit "peligroso" als Warnzeichen.

TÜV für Tankstellen
Anfang der 90er Jahre ereignete sich in Guadalajara eine der größten Explosionen, die in Zivilzeiten überhaupt vorstellbar ist. Bauarbeiten im Keller eines Hauses hatten einen Funken ausgelöst, der diese Explosion verursachte. Man berichtete davon, dass ein ganzer Stadtteil Guadalajaras in die Luft geflogen sei, LKW's und Häuser geradezu umher flogen. Nun besteht keine Frage, dass die Explosion entsetzlich war und viele Stimmen machten sich breit, dass die halb staatliche Öl-Firma Pemex dafür verantwortlich sei. Sie unterhält mehr oder weniger alle Tankstellen in Mexiko und ihr wurde Versagen vorgeworfen.
Tatsächlich sind auf Yucatán die meisten Städte, ähnlich wie Guadalajara, auf Fels (Kalkstein) gebaut, mit unendlich vielen Ritzen. Für die Tankstellen gibt es aber keinen TÜV, wie wir ihn wohl in Deutschland erwarten würden. So hatte Pemex damals nach der Explosion - um den Vorwürfen aus der Bevölkerung und aus der Presse entgegenzuwirken - eine Initiative gestartet (ohne Schuld einzugestehen), in der sie anordneten, alle Tankstellen auf undichte Stellen zu prüfen. Denn undichte Stellen würden bewirken, dass Benzin in die Ritzen des Kalksteins läuft, dort Gase bildet und nur der kleinste Funke einen ganzen Stadtteil verwüsten würde.
Das wurde dann auch gemacht: um die Zapfsäulen herum wurde leicht gegraben und dann alles wieder zugeschüttet, ohne wirklich herunter zu schauen. Zur Folge hatte dies, dass gemeinhin alle Städte auf Yucatán, aber auch darüber hinaus, von vielen als tickende Zeitbombe gehalten werden.

Tanken
Wer einen eigenen Wagen bzw. einen Mietwagen in Mexiko fährt, der wird von Zeit zu Zeit auch Tanken müssen. Vom Prinzip her ist das eine einfache Sache, zumal es Selbsttanken fast nicht gibt, man sich also um nichts kümmern muss. Nun haben aber die Tankwarte auch ein Gefühl für Geld und insbesondere dafür, ob man Ausländer ist oder nicht. So geschieht es, dass der Zähler der Zapfsäule nicht genau auf "0" steht, wenn der Tankwart mit dem Tanken beginnt. Fazit: man tankt 30 Liter, zahlt aber für 50 Liter. Hier heißt es also aufgepasst, prüfen Sie nach, dass der Zähler bei Tankbeginn auf "0" steht und erst dann ein kleines Trinkgeld geben.

Brandrodung
In Mexiko ist Brandrodung weit verbreitet. Bauern legen einfach Feuer und nach kurzer Zeit ist das Feld abgebrannt und kann wieder neu genutzt werden. Natürlich ist die Brandrodung auch in Mexiko verboten, doch ist sie für viele Bauern viel zu billig und einfach, als dass man sich an das Verbot halten würde. So kann es geschehen, dass man für einen Nachmittag einen Bekannten besuchen fährt, den Wagen vor der Tür parkt und ein paar Stunden später die Umgebung nicht mehr wiedererkennt, da das ganze Gebiet abgebrannt ist. Da die Brandrodung nicht gestattet ist, legen die Bauern das Feuer heimlich und häufig geschieht es dann, dass auch Wohnhäuser in großer Gefahr sind, weil die Flammen außer Kontrolle geraten.

Nachts fahren
Nachts sollte man in Mexiko unbedingt vermeiden Auto zu fahren. Insbesondere Überlandfahrten sind gefährlich. So passiert es nicht selten, dass Autofahrer nachts über die Dörfer fahren und dabei einen Fußgänger an- oder überfahren. Gefährlich ist das aber nicht nur für den Fußgänger. Zumeist werden die Straßen von Fußgängern dazu genutzt, nach einer Feier zurück ins eigene Dorf zu gehen; und da einiges an Alkohol beim Feiern im Spiel war, sind die Fußgänger nicht mehr sonderlich "verkehrstüchtig". Wer nun einen der Fußgänger an- oder überfährt, der sollte dann nicht aussteigen, wenn ihm das eigene Leben lieb ist (das ist kein Scherz). Die Wahrscheinlichkeit, dass die Person nicht alleine ist, ist sehr hoch. Das bedeutet, wenn man aussteigt, muss man mit Selbstjustiz rechnen. Das heißt, Kameraden des Angefahrenen werden dem Autofahrer eine Flasche über den Kopf hauen und man wird sich im nächsten Dorf wiederfinden, wo man aufgehängt wird, die Dorfgemeinschaft zusehend. Sogar die Polizei steht dann daneben und wird sich hüten einzugreifen, da sie sonst selbst gelyncht würde. Solche Vorkommnisse sind nicht selten und wer ein solch schreckliches Unglück hat, jemanden um- oder angefahren zu haben, dem kann nur geraten werden möglichst schnell in die nächste große Stadt zu fahren, per Telefon den Krankenwagen zu alarmieren und dort einen Rechtsanwalt aufzusuchen und das Deutsche Konsulat zu kontaktieren (nicht zur Polizei gehen).

Zuviel ist zuviel - Skorpione
Eine der bekanntesten Geschichten zu gefährlichen Tieren auf Yucatan hält sich fast in jeder Familie. Danach war ein inzwischen wohl Yucatan-weit bekannter Bauer eines morgens auf seine Felder gegangen, um zu prüfen, wie weit der Mais gediehen war. Er hatte seine Machete dabei und sammelte Stück für Stück 10-15 Maiskolben in seinem zusammengerollten T-Shirt. Zuhause angekommen schüttelte er die Kolben auf dem Tisch aus und begann, sie einzeln zu öffnen. Nun ist Mexiko dafür bekannt, dass hier einige Tiere durchaus gefährlich werden können. Und so geschieht es, dass beim Öffnen der Maiskolben aus einem der Kolben drei Skorpione herausfielen und den Bauern mehrfach in seine linke Hand stachen. Der Bauer - wohl wissend, dass bei dieser Sorte von Skorpionen drei Stiche zuviel sind - nahm kurzerhand seine Machete vom Schoß und schlug sich die linke Hand ab.
Ob sich diese Geschichte nun so zugetragen hat oder nicht -  jeder kennt sie auf Yucatán. Der Bauer soll noch immer leben und ist zu einer Legende geworden. Wem es also passiert von einer Schlange (z.B. der Korallenotter) gebissen zu werden und wer dazu sich auch noch in einem Dorf befindet, dem kann es passieren, dass die Bevölkerung herbeieilt, um das Bein abzuschlagen.

Moses in Mexiko
Eine der unglaublichsten Geschichten stand Ende 1989 in einer Mexikanischen Zeitung:
Ein junger, stark beleibter Mann - vielleicht um die 35 Jahre alt - fuhr mit seinen zwei athletischen Brüdern auf seinem Motorboot einige Kilometer aufs Meer hinaus, um zu fischen. So verging der Tag und gegen Abend machte man sich auf den Weg zurück, denn zur Dunkelheit wollte man ja zu Hause sein. Nun gab es aber bei der Rückfahrt ein Problem, da das Boot durch ungeklärte Ursache Leck geschlagen hatte und zu sinken begann. Die drei Männer sprangen über Bord und nun berichtet der beleibte Mann: "einer meiner Brüder verschwand plötzlich, wie vom Boden (Wasser) verschluckt" und kurze Zeit später verschwand der zweite Bruder. Seite Vermutung war, dass Haie die beiden gefressen haben müssen. Er selbst hatte - er war ja unsportlich und recht weit vom Ufer entfernt - den Weg zurück an Land nur geschafft, weil sich das Wasser teilte (wie bei Moses) und er den Weg auf dem Meeresboden zurück laufen konnte.
So unglaublich die Geschichte klingen mag - sie stand in der Zeitung und es gab Menschen, die sie  glauben.

Merida als Zwischenstop (Drogenhandel)
Yucatán ist für Drogendealer gut gelegen, wenn es darum geht, einen Zwischenstop einzulegen auf dem Weg von Kolumbien nach Miami. Nun ist das Schmuggeln aber auch in Mexiko nicht immer leicht und vieles hängt davon ab, wie gut entsprechende Stellen "geschmiert" wurden. 1990 geschah es, dass die Polizei in Mérida einen Tipp bekam: ein kolumbianisches Flugzeug, beladen mit Drogen, sollte auf dem Weg nach Miami in Mérida zum Auftanken zwischenlanden. So machten sich die Polizei und das Militär - beide hatten den Tipp bekommen - bereit und stellten sich gegen frühen Abend an der Landebahn des Flughafens in Mérida auf.
Es dauerte nicht lange, da war der einmotorige Flieger bereits im Anflug. Er setzte zur Landung an, hob allerdings - als er das Empfangskomitee sah - kurzerhand wieder ab, drehte eine Runde in der Luft und setzte erneut zur Landung an. Zum Erstaunen aller landete er nun; allerdings nutzte er die komplette Länge der Langebahn, fuhr also bis zum letzten Ende, wo auch Polizei und Militär nicht mehr standen. Er hielt das Flugzeug dort, stieg aus und verschwand kurzerhand in einem präparierten Zaunloch am Ende der Landebahn.
Der Pilot war verschwunden und die Enttäuschung war groß, denn als man das Flugzeug inspizierte, fand man gar nichts, auch keine Drogen.
Zur fast gleichen Zeit aber war im Norden von Mérida - auf einem kleinen privaten Flugplatz - ein zweiter Flieger zwischengelandet. Man fand im Nachhinein heraus, dass dieser die erwartete Ladung Drogen an Bord hatte.

Stromausfall
Stromausfälle sind in Mexiko keine Seltenheit, auch wenn die meisten Hotels Generatoren haben, die dann anspringen, wenn die Stromversorgung ausfällt. Wenn sie auch von Jahr zu Jahr weniger werden, so kann es in einem zweiwöchigen Urlaub und einfacher Unterkunft durchaus vorkommen, dass der Strom ausfällt. Da es bereits gegen 18 Uhr dunkel wird, kann es passieren, dass man mit Zähneputzen im Badezimmer beschäftigt ist, gerade unter der Dusche steht und noch Shampoo in den Haaren hat und dann plötzlich der Strom und damit auch das Licht ausfällt. Bisweilen ist das gekoppelt mit anschließendem Wasserausfall.

Unwetter
Wenn es in Mexiko regnet, dann regnet es häufig so stark, dass man es schon mal mit der Angst zu tun bekommt. Platzregen mit gewaltigen Kräften fluten die Straßen innerhalb von wenigen Minuten. Wer im Auto sitzt, muss schnell anhalten, weil die Sicht bisweilen nicht mal mehr bis zur Kühlerhaube reicht und so bekommt man ein recht beklemmendes Gefühl. Doch nach spätestens 10-20 Minuten ist alles vorbei. Dann sind die Straßen bis zu 60cm hoch mit Wasser gefüllt. Ältere Autos,springen dann nicht mehr an und so muss man warten, bis man abgeschleppt wird, beiseite geschoben wird oder das Wasser abläuft.

Fliegen in Mexiko
Eine Nonne sagte mal auf einem Flug von Miami nach Yucatán, dass mexikanische Piloten dafür bekannt seien, dass sie bei jedem Wetter starten und landen würden, dass aber ganz sicher nichts passieren würde.
Nur wenige Tage später saßen wir in Mérida im Garten und genossen das strahlende Wetter mit wolkenlosem Himmel. Nun zog von Süden her ein großes Unwetter auf, das starke Gewitter, Platzregen und Sturm parat hielt. Bei solchen Unwettern, die mit keinem unserer Unwetter in Europa vergleichbar sind, sind die Straßen nach nur 5 Minuten bis zu einem halben Meter hoch überschwemmt. Zu unserem Erstaunen sahen wir aber, wie aus Richtung des Flughafens ein Flugzeug durch den blauen Himmel startete und geradewegs auf die Unwetterfront zusteuerte. "Kaum möglich" dachten wir und diskutierten noch darüber, dass der Flieger wohl gleich abdrehen würde. Statt dessen aber steuerte er in die Gewitterfront hinein und verschwand dort. Und während wir ungläubig hinter ihm hersahen, kam fast gleichzeitig und an fast gleicher Stelle ein Flugzeug aus der Gewitterfront wieder heraus und setzte zur Landung auf dem Flughafen Mérida an. Wenn die Piloten mal kein Zutrauen in ihre Flugkunst haben.

Mülltrennung mit Stil
Mülltrennung ist sicher eine der besten Ideen, die man im Zuge der Umweltbewegung auch in Mexiko näher verfolgt hat. So gab es Anfang der 90er Jahre drei verschiedenfarbige Müllsäcke aus Plastik, in denen getrennt nach Art des Mülls dieser gesammelt werden sollte. Blau stand für Metalle, Grün für natürliche Abfälle und Rot für Plastik.
Zu bestimmten Zeiten wurden dann diese Müllsäcke an die Straße gestellt und einmal pro Woche fuhr ein LKW durch die Straßen, der diese Tüten einsammeln sollte. Tatsächlich waren zwei Leute damit beschäftigt, die Säcke einzusammeln. Allerdings warfen sie die Tüten in hohem Bogen so unachtsam auf den Wagen, dass sie aufsprangen und sich auf dem LKW der Müll wieder vermischten. Da fragt man sich, ob es hier nicht eine bessere Lösung gibt.

Polizei in Wild-West Manier
Wer in den 90er Jahren auf Yucatán mit dem eigenen Wagen fuhr, der war mitunter der Willkür der mexikanischen Polizei ausgeliefert. Das konnte dann schon mal so aussehen, dass man mit allen anderen Autos zusammen über die grüne Ampel fuhr, auf der anderen Seite der Kreuzung aber ein Polizist wartete, der US-Dollar witterte und den Wagen anhielt. Er stand bisweilen mit gespreizten Beinen und den Händen rollend auf den in der Hüfte steckenden Pistolen da, geradeso, als würde seine Stärke bewiesen werden müssen. Im gebrochenem Englisch hieß es "50 US-Dollar - crossed red light", also soviel wie "Sie zahlen nun 50 Dollar, denn Sie sind über die rote Ampel gefahren". Das konnte mit einem Einheimischen kaum passieren, aber bei Touristen konnte er daraufhin erst mal 5 Tage frei nehmen.
Tipps dazu? Also da gibt es mehrere Strategien. Eine wäre, dass man weder Spanisch noch Englisch spricht; und wenn es ganz schlimm wird, dann eben auch kein Deutsch. Das funktioniert angeblich bei der Mehrheit der Polizisten, da sie nach einiger Zeit keine Lust mehr haben. Eine andere Variante ist, wenn man sich eine Quittung geben lässt; das gilt aber nur dann, wenn man den Preis für eindeutig zu hoch hält, denn eine Quittung würde ein Polizist dafür nicht ausstellen.